Sollen Schulen Noten machen?

Schüler in einer Waldorfschule

Schüler in einer Waldorfschule

Die Grünen haben bei den Landtagswahlen am vergangenen Sonntag den Wiedereinzug in den Rheinland-Pfälzischen Landtag geschafft. Zuletzt saßen sie Dort Anfang der Neunzigerjahre (wikipedia). Doch nun droht in Mainz ein Konflikt um die Bildungspolitik. Dazu schreibt die Süddeutsche Zeitung heute (29. März, Seite 6):

„Der furchterregende Satz steht auf Seite 69 des grünen Wahlprogramms: ,Das bisherige Notensystem soll mittelfristig durch Lernentwicklungsberichte ergänzt und schrittweise ersetzt werden.‘ Auch das noch. Die Grünen wollen also die Noten abschaffen. Wie schon das Sitzenbleiben. Und das Gymnasium, immerhin fordern sie ja zehn Jahre gemeinsames Lernen.“

Diese Forderungen scheinen nach dem Volksentscheid in Hamburg im letzten Jahr nicht besonders klug. Immerhin hatte die Mehrheit der Hamburger eine verlängerte Grundschulzeit abgelehnt, da besorgte Eltern sich um die Zukunft der Gymnasien Gedanken machten. Und jetzt das: Die Grünen wollen die Noten abschaffen, kein Sitzenbleiben mehr und zehn Jahre gemeinsames Lernen!

Aber was bringen Noten denn überhaupt. Haben die Grünen vielleicht sogar recht? Sind Noten nur ein bequemer Weg menschen einzusortieren in Schubladen, Menschen zu sortieren in schlau und dumm, in brauchbar und unbrauchbar – für bestimmte Bereiche zumindest? Für bestimmte Bereiche der Wirtschaft?

Zumindest Abitur ist bei vielen Ausbildungsberufen Vorraussetzung und zum Studieren ist bei noch über 30% der Fächer ein bestimmter Numerus Clausus angesetzt, wobei die Studienplätze zumeist nach der Abiturnote vergeben werden. Dabei werden sonstige Qualifikationen häufig nicht berücksichtigt. Das ist einfacher für die Hochschulen als mühsame Auswahlgespräche. Der persönliche Kontakt zum einzelnen Menschen wird wegen des hohen Zeitaufwandes gescheut. Außerdem seien die bei solchen Gesprächen Ausgewählten ohnehin größtenteils die gleichen, die über die Bestnote eine Zulassung erlang hätten, heißt es bei einer Uni mit Studiengängen mit hohen Notenanforderungen.

Noten sind also praktisch. Aber auch gerecht? Notenverteidiger führen oft ins Feld, die Alternative – schriftliche Bewertungen – seien subjektiv. Einer Studie zufolge sind dies Noten auch. Von daher würde es also Sinn ergeben, das bestehende System beizubehalten, da es praktischer, einfacher und nicht weniger gerecht ist.

Vielleicht zeigen Noten aber auch einen bestimmten Umgang miteinander auf. Vielleicht kann ein eindimensionales Bewertungssystem den Vielschichtigkeiten des Einzelnen weniger gerecht werden, als ein – im besten Falle – mit Sorgfalt verfasster Text, der vielleicht bestimmte Qualitäten in einem Fach aufzeigen kann, die in der Note nicht erfasst werden, für das angestrebte Fach aber nützlich sein können. Ein solcher bedachtvoller Umgang mit anderen Menschen erfordert natürlich mehr Zeit füreinander, schafft aber womöglich eine neue Zwischenmenschlichkeit, die nicht nur mehr Respekt von jedem einzelnen fordert, sondern für eine neue Kultur des Respektes die Grundlage schaffen kann.

Der vehementeste Gegner der Bildungspolitik der Grünen in Rheinland-Pfalz war übrigens die FDP. Die Süddeutsche schreibt weiter (Fortsetzung Zitat s.o.):

„Mit diesen Schreckensnachrichten zog die FDP in den Wahlkampf (…)“

Die Fünfprozent-Hürde überwand die Partei allerdings nicht.

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