Der politische Film: Paradise Now

Filmplakat: Paradise Now © Warner Independent Pictures. All Rights Reserved

Ein Film, der mich zutiefst bewegt hat. Es geht um Freundschaft und Glauben. Um Glauben und Wahrheit. Um Wahrheit und Erkennen.

Khaled und Saïd sind auserwählt von Nablus im palästinensischen Westjordanland aus nach Tel Aviv zu fahren um dort in einem Selbstmordattentat möglichst viele Militärs und Polizisten der Besatzungsmacht mit in den Tod zu reißen. Der Anschlag soll einen zuvor verübten Angriff der Israelis auf die Stadt rächen. Doch Khaled, der sich in den Tagen vor dem Angriff mit der Tochter eines Märtyrers, Suha, anfreundet hat Zweifel. In der Nacht vor der geplanten Tat legt Suha im dar, dass Vergeltung ihrer Meinung nach kein Ausweg sei…

Aus der Perspektive palästinensischer Araber erzählt, die sich nach Rache und Vergeltung sehnen schafft es der Film, dass sich der Zuschauer mit den beiden Hauptcharakteren identifiziert und – auch wenn er diese nicht teilen muss – ein Verständnis für ihre Haltung entwickelt. Der Film zeigt, wie ausweglos die Situation der jungen Männer ist. Wie sie, überwältigt von dem Unrecht, dass die Besatzungsmacht ihrem Volk ihrer Meinung nach antut, perspektiv- und hoffnungslos den einzigen Sinn ihrer Existenz darin sehen, gegen das ihnen widerfahrene Unrecht aktiv zu werden. Sie sehen keinen Sinn in ihren Leben und schöpfen, indoktriniert von ihrem Lehrer, Hoffnung im Gedanken an das Paradies.

Man muss sich schon einlassen können auf die, für unsere westliche Welt allemal, ungewöhnliche Perspektive und auch das fehlen an dramatischer musikalischer Untermalung mag nicht jedermanns Filmgeschmack sein. Doch mir hat genau diese zurückhaltende, fast schon dokumentarisch beobachtende Erzählhaltung gefallen. Wie einerseits eine innere Nähe zu den Darstellern aufgebaut wird, dennoch der Zuschauer eher Beobachter bleibt – zumal die Handlung sich niemals vollends erschließt.

So ist es ein Film der unter die Haut geht und uns neu nachdenken lässt über einen Konflikt, der so weit weg ist, uns aber doch so sehr betrifft. Ein Konflikt mit scheinbar klar verteilten Rollen, Positionen die wir von unserer Umwelt aufgesogen haben, verstanden, sodass wir manchmal vergessen, welche Menschen auf der anderen Seite des Zaunes stehen. So vermag es der Film unser Gerechtigkeitsbild, unseren Wahrheitsanspruch in seinen Grundmauern zu erschüttern, ohne dass wir Partei ergreifen für diese Attentäter. Denn auch sie sind nichts anderes als Krieger, die Rücksichtslos Menschen töten. Das ist die Wahrheit.

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Eine Antwort auf Der politische Film: Paradise Now

  1. Susanne sagt:

    Möchte ich mir unbedingt angucken!!!!!!
    Lg

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