Der wahre Preis unserer Energie

Die Süddeutsche Zeitung hat in ihrer gestrigen Ausgabe einen sehr interessanten Kommentar veröffentlicht, der – meiner Meinung nach – uns alle angeht. Darin nimmt der Autor Patrick Illinger auseinander, warum das von uns an der Tankstelle oder über die Stromrechnung bezahlte Geld nichts mit den wahren Kosten der Energiegewinnung zu tun hat. Dabei analysiert er das von der Politik in letzter Zeit häufig verwendete Argument der „Strom müsse ,bezahlbar‘ bleiben“ und entlarvt es als „Betrug“.

„Der Begriff ,bezahlbar‘ als Synonym für ,so billig wie bisher‘ suggeriert, die heutige Welt könne unverändert erhalten bleiben. Es ist eine Scheinwelt, in der Energie so billig ist, dass sie hemmungslos verschleudert werden kann. (…) In dieser Welt kann man eine 60-Watt-Glühbirne 22 Stunden lang brennen lassen zum Preis einer Standard-Briefmarke.“

Als Grund für diesen billigen Strom sieht er vor allem in der Wirtschaft:

„Natürlich profitiert die Industrie von diesen Preisen. (…) Der Energieverbrauch ist eine Marginalie in der Bilanz.“

Das die günstigen Energiepreise nur eine Form der Industrieförderung sind ist durchaus möglich. Sind es doch besonders wirtschaftsfreundliche Parteien, die das Argument günstiger Strompreise ins Feld führen. Wie diese Wirtschaftsförderung, also die Quasi-Subvention der Energie funktionieren soll erklärt Illinger wie folgt: Die Politik verschweige „unwissentlich oder arglistig die wahren Kosten von Energie. Sie liegen weit höher…“:

„Kriege um Öl sind die Folge, verschmutzte Küsten, steigende Meeresspiegel, verstrahlte Landschaften, Feinstaub, Atommüll, Nahrungsknappheit und, ja, auch ästhetische Einbußen wie Windräder vor dem Wohnzimmerfenster. Wer seriös über Energie reden will, muss anerkennen, dass die wahren Kosten des globalen Energiehungers nie auf Stromrechnungen erscheinen, sondern von der Gemeinschaft getragen werden.“

Unsere Energiegier und die derzeitige Beschaffung produziert in der Tat einiges an Kosten für den gemeinen Bürger. So wird der Japanische Atomkraftwerksbetreiber Tepco wohl verstaatlicht und somit die Kosten der Katastrophe vergemeinschaftet. Das ist übrigens wieder ein perfektes Beispiel für die Weisheit, welche die französische Finanzministerin dem ehemaligen deutschen Finanzminister während einer Krisensitzung der EU zur Finanzkrise auf einen Zettel gekritzelt zugesteckt haben soll (link):

„Der Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus: Im Kommunismus werden die Banken erst verstaatlicht, und dann gehen sie bankrott. Im Kapitalismus gehen die Banken bankrott, und dann werden sie verstaatlicht.“

Der Kommentar zeigt aber auch die zusätzlichen Kosten erneuerbarer Energien auf, dass nämlich – neben steigender Strompreise und der Investitionen in die Technik – auch unsere Landschaft durch Windräder und Pumpspeicherwerke ihre Ästhetik einzubüßen droht. Das ist natürlich nicht populär.

„Die billige, nachhaltige, umweltneutrale, Landschaften erhaltende und autarke Energiequelle gibt es nicht. Deutschland muss sich für den kleinsten Teufel dieser Hölle entscheiden. Die Politik tut das aber nicht; auch die Grünen tun das nicht, solange sie gleichzeitig gegen Kernkraftwerke und Pumpspeicher eintreten.“

Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Politik aufhört, sich stets nach dem Wind zu drehen und endlich notwendige Entscheidungen durchsetzt. So dürfen die Lenker dieses Landes nicht nur auf die nächsten Landtagswahlen und aktuelle Umfragewerte schielen, sie sollten hingegen wirklich Verantwortung übernehmen und Deutschland weiterbringen. Illinger formuliert dies ein wenig anders:

„Energiepolitik darf aber nicht zu einem mikroökonomischen Gezänk verkommen, bei dem Lobbygruppen um die Verbraucherpreise von Solar- versus Atomstrom ringen.Wägt man die Optionen für Deutschland seriös ab, bleibt nur ein radikaler Umstieg auf ein dezentrales System regenerativer Energie und intelligenter Stromnetze, den sogenannten smart Grids. (…)

Ein planloses Festklammern an einem Mix aus knapper werdendem Erdöl, schmutziger Kohle, politisch fragwürdigem Erdgas und alternden Kernkraftwerken führt Deutschland nicht in die Zukunft. Kernenergie ist keine Brückentechnologie, wie es Befürworter gern sagen. Sie ist eine Schlaft-weiter-Technologie. Dieser Schlaf ist nun jäh unterbrochen worden.“

Den gesamten Kommentar Illingers zu lesen, halte ich übrigens für äußerst lohnenswert!

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Eine Antwort auf Der wahre Preis unserer Energie

  1. Susanne sagt:

    Ich denke, daß die Politik ein viel zu träges Organ ist um irgendwelche erforderlichen Veränderungen herbeiführen zu können und ist mal eine Partei an der macht sorgt sie sich nach 2 Jahren wieder um ihre Wählerstimmen mit holen Phrasen, wenn nicht gar mit Lügen.
    Unsere Aufgabe wäre Ideen zu entwickel, die ein neues, menschenwürdiges Leben möglich machen und zwar auf der ganzen Welt.
    Liebe Grüße aus Wuppertal

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