Über Rhetorik in Zeiten des Krieges

Wie so oft geht auch der aktuelle Konflikt in Libyen einher mit einer Wortwahl, die aufhorchen lässt. Auch dieses Mal wird Sprache bewusst verwandt um ein bestimmtes Bild der kriegerischen Situation in die Köpfe des Volkes zu bringen. So ist das Wort „Flugverbotszone“ das aktuelle Unwort deutscher Medien.

Die Tagesschau hat es herbeigerufen, das Flugverbot. Bis zuletzt wurde es als letzte Hoffnung der Rebellen dargestellt und als Allheilmittel für den in Libyen schwelenden Bürgerkrieg verkauft. Jörg Armbruster, ARD-Korrespondent am 16. März live aus Tripolis:

„Die Zeit arbeitet für Gaddafi. An jedem Tag ohne Flugverbot rückt seine Armee ein bisschen weiter vor in Richtung Bengasi und die Lage der Aufständischen dort wird immer verzweifelter. Die zögerliche Haltung der Regierung in Berlin findet viel Lob und Anerkennung bei dem Regime in Tripolis“ (link)

Demensprechend begrüßt wurde die Entscheidung des UN-Sicherheitsrates, dessen Resolution jedoch weit mehr vorsah als den Start libyscher Flugzeuge zu verhindern. Dennoch ist in der Tagesschau weiterhin von „Flugverbot“ in die Rede.

So spricht Judith Rakers, Tagesschaumoderatorin, nach dem Beschluss davon, Sarkozy habe angekündigt, „die Bevölkerung zu schützen und das von den UN verhängte Flugverbot durchzusetzen.“ Dabei wird komplett übergangen, dass zu der Durchsetzung des Flugverbotes nicht der Beschuss von Panzern gehört, in denen libysche Soldaten sitzen. Diese sind auch Teil von libyiens Bevölkerung, auch wenn sie auf der „falschen“ Seite stehen.

Doch auch nach dem Bekanntwerden von zivilen Opfern scheint die ARD weiterhin die Sprachkonvention von dem so technisch klingenden „Flugverbot“ beizubehalten. So wurde auch gestern davon gesprochen, die Nato habe sich auf einen Operationsplan geeinigt, „um das Flugverbot über Libyen durchzusetzen“. So wird weiterhin der Eindruck geschaffen, Libyen sei nicht der nächste Kriegsschauplatz des Westens.

Warum die Tagesschau ein Interesse haben sollte den Krieg im Norden Afrikas zu beschönigen ist mir ein Rätsel. Tatsache ist, dass sie es tut. Ein mir positiv aufgefallenes Beispiel ist übrigens die Süddeutsche Zeitung. Hier habe ich das Wort „Flugverbot“ bisher nicht unkommentiert gelesen. So wurde in der Printausgabe vom Montag (21. März) zwar ein US-General zitiert, der von der faktischen Durchsetzung des Flugverbotes spricht, aber auch die Gegensite kommt zu Wort, sodass ein ausgewogenes Bild des Konfliktes entsteht (soweit das überhaupt möglich ist).

 

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